Dießener Keramikpreis für Tomasz Niedziółka
Tomasz Niedziółka erhält den Dießener Keramikpreis 2026
Am südlichen Ufer des Ammersees, im Traidtcasten von Dießen, wurde am Abend des 14. Mai 2026 der Dießener Keramikpreis verliehen. Träger der Auszeichnung ist in diesem Jahr Tomasz Niedziółka, ein Holzbrand-Keramiker aus Rheinsberg in Brandenburg.
Bei der Preisverleihung
Der ausgezeichnete Quader
Den Preis erhielt ein handmodellierter, im offenen Holzfeuer über mehrere Tage gebrannter Block. Die Jury beschrieb das Stück als „radikal, einfühlsam und reduziert"; sie hob hervor, dass „seine geometrische Strenge durch die sensible, sinnlich wahrnehmbare Oberfläche gebrochen" werde. Ein einzelner Quader also, kein Gefäß, keine Schale, und doch im Kern jene Arbeitsweise, die Niedziółkas Werk seit Jahren prägt: das Vertrauen in eine ruhige Form, die im Holzbrand erst zu sich selbst kommt.
Die nominierte Arbeit
Der Dießener Keramikpreis und seine Jury
Der Dießener Keramikpreis wird seit 2001 jährlich vom Töpfermarkt Diessen vergeben. Gestiftet ist er von der Brennofenfirma Rohde aus Rosenheim und mit 5.000 Euro dotiert. Jedes Jahr ist ein anderes Thema vorgegeben — 2026 lautete es „Form und Material". In der Jury saßen Dr. Nele van Wieringen vom Keramikmuseum Westerwald, Dr. Angela Böck, die Keramikerin Elke Sada als Preisträgerin des Vorjahres, Josef Strasser von der Münchner Neuen Sammlung sowie Julie Metzdorf vom Bayerischen Rundfunk.
Holzbrand zwischen Wrocław und Rheinsberg
Tomasz Niedziółka wurde in Polen geboren und lebt heute in Rheinsberg in Brandenburg. Ausgebildet wurde er an der Eugeniusz-Geppert-Akademie für Bildende Künste in Wrocław, an der er bis 2021 als Dozent unterrichtet hat. Den Holzbrand hat er an Anagama-Öfen in Korea, Frankreich, Polen, Deutschland, Tschechien, Estland und Finnland kennengelernt — eine Praxis, die sich nur über viele Brände an unterschiedlichen Orten erschließt, weil die Auseinandersetzung mit dem Ofen, dem Holz und dem Ascheanflug jedes Mal von Neuem beginnt.
In jedem einzelnen Gefäß von Tomasz Niedziółka zeigt sich die Berührung des Feuers: die Verteilung des Ascheanflugs, die feinen Krakelees, die Spuren der Flammen, die durch den Ofen gezogen sind. Reduktion der Form und Dichte der Spuren auf der Oberfläche stehen hier in einem konzentrierten Verhältnis — eine Spannung, die in der Jurybegründung wieder auftaucht.
Niedziółkas Arbeiten bei Hyner
In der Galerie Hyner in Berlin-Mitte sind Becher, Schalen und Teeschalen, Flaschen und Vasen aus dem Holzbrand von Tomasz Niedziółka zu sehen. Die Brennofenpraxis prägt jedes einzelne Stück: kein Brand verläuft wie der vorige, und so trägt jede Schale die Spuren genau eines bestimmten Feuers.
Quellen
Augsburger Allgemeine: „Keramikpreis Dießen zeichnet Tomasz Niedziólka für Holzbrand-Keramik aus", 15. Mai 2026.
Töpfermarkt Diessen, offizielle Seite zum Keramikpreis.
Jana Hyner
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