Carolin Wachter: Porzellanankauf des Stadtmuseums Siegburg

Carolin Wachter dreht weißes Hartporzellan von klarer Form und stiller Präsenz. Im April 2026 hat das Stadtmuseum Siegburg eines ihrer Gefäße in seine Sammlung aufgenommen.

In Glindow, am westlichen Rand von Werder an der Havel, wo der märkische Sand seit Jahrhunderten zu Ziegeln und Gefäßen gebrannt wird, arbeitet Carolin Wachter. Sie dreht ihr Porzellan frei an der Scheibe, mit der Genauigkeit, die dieses spröde Material verlangt, und führt es über mehrere Brände zu jener weißen, durchscheinenden Dichte, für die ihre Arbeiten stehen. Wo die Oberfläche unglasiert bleibt, schleift sie sie am Ende von Hand, bis sich das harte Porzellan samtig anfühlt. Klare Form, stille Präsenz — Kunst für den täglichen Gebrauch.

Weißes, handgedrehtes Porzellangefäß von Carolin Wachter, transluzent und matt geschliffen

Im April 2026 hat eines dieser Gefäße einen ungewöhnlichen Weg genommen. „satisfied 2“, ein rein weißes Porzellangefäß, wurde vom Partnerschaftsverein Siegburg angekauft und als Dauerleihgabe an die Keramiksammlung des Stadtmuseums Siegburg gegeben. Zu sehen gewesen war das Stück zuvor in der Auswahlausstellung des 6. Internationalen Keramikpreises Siegburg, zu der Wachter eingeladen war. Den Preis trugen andere davon. Ihre Arbeit aber nahm den Weg, den sich für ein einzelnes Stück kaum schöner denken lässt: den ins Museum.

Eine Werkstatt in Glindow

Carolin Wachter, 1979 in Essen geboren, gehört zu den Keramischen Werkstätten in Glindow und leitet zugleich die keramische Werkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Ihre Arbeiten sind über die Jahre wiederholt ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Preis der Neuen Keramik 2016, dem Perron-Kunstpreis Frankenthal 2017 und dem Designpreis Brandenburg 2020. Es ist eine Laufbahn zwischen Lehre und eigener Werkstatt, getragen von einer großen Ruhe im Umgang mit einem Material, das keine Nachlässigkeit verzeiht.

Was das weiße Porzellan verlangt

Wachter arbeitet mit französischem Hartporzellan, einem Material, das für seine Dichte und seine Unnachgiebigkeit bekannt ist: Es verzeiht wenig und zwingt zu Präzision an der Scheibe. Auf das Drehen, Abdrehen und Trocknen folgt der erste Brand; danach wird der Scherben glasiert und in einem zweiten Brand bei rund 1300 Grad glattgebrannt, bis er verglast — dicht, hart und durchscheinend. Die unglasiert gebliebenen Flächen schleift Wachter noch einmal mit der Hand, bis sie ihre samtige Haptik bekommen. Das Weiß ist dabei kein Verzicht auf Farbe, sondern die Bedingung dafür, dass Form, Wandung und Licht die ganze Aufmerksamkeit bekommen.

Nur einzelne Stücke gibt Wachter aus dieser Kontrolle wieder her: Sie stellt sie in den Holzofen, wo Feuer und Flugasche über Tage eine Oberfläche zeichnen, die sich nicht vorausplanen lässt. So entstehen Unikate, deren Farbigkeit und Verformung allein aus dem Brand kommen — die Ausnahme, nicht die Regel. Das Gefäß, das nach Siegburg ging, gehört nicht dazu: „satisfied 2“ ist ein Stück aus der weißen, stillen Werkreihe, für die Wachters Porzellan zuallererst steht.

Von Werder nach Siegburg

Dass ausgerechnet ein Gefäß aus Glindow nach Siegburg gelangt, hat einen stillen Hintergrund: Werder an der Havel, zu dem Glindow gehört, ist Partnerstadt von Siegburg. Der Ankauf durch den Partnerschaftsverein macht aus „satisfied 2“ auch ein Zeichen dieser Verbindung, einen Gegenstand, der von einer Stadt zur anderen reist und dort bleibt.

Der Titel der Arbeit bekommt damit eine zweite Bedeutung. Ein Gebrauchsgefäß, das in eine Sammlung eingeht, hört auf, gekauft werden zu können; es ist, im Wortsinn, zufrieden. Was bei Hyner sonst als Kunst für den täglichen Gebrauch gedacht ist, als etwas, das man benutzt, tritt hier den umgekehrten Weg an und wird zum bewahrten Objekt hinter Glas. Beides gehört zusammen: Erst das Gefäß, das man in die Hand nimmt, macht verständlich, was ein Museum aufhebt.

Wer Wachters Porzellan lieber in der Hand hält, als es hinter Glas zu sehen, findet ihre Arbeiten in Berlin bei Hyner. Und Anfang August 2026 ist sie auf den Internationalen Keramiktagen in Oldenburg zu erleben, dort, wo sie 2016 den Preis der Neuen Keramik erhielt.

Jana Hyner

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