Der Titel Blush bezieht sich auf die Flammenspuren, den Hauch, der auf den Gefäßen landet. Er entsteht im Holzbrand, wenn die Flammen zwischen den Stücken hindurchziehen.
Blush
Eröffnung, 13.11.26, 18:00 Uhr
Ausstellung, 14.11 bis 23.12.26
Eine Ausstellung von Carolin Wachter und Tomasz Niedziółka.
Tomasz Niedziółka über seine Arbeit und den aktuellen Brand vom September 2026
“Ich bin noch immer ganz begeistert vom letzten Brand im Tongkama-Ofen. So viele wunderbare Stücke sind dabei entstanden. Und das aus gutem Grund: Denn die ersten Entscheidungen fallen bereits beim Formen der Stücke. Auch die Glasur und die Art, wie sie aufgetragen wird, spielen eine wichtige Rolle. Doch am entscheidendsten ist, wie die Stücke im Ofen angeordnet werden.
Große Skulpturen und kleine Objekte, selbst Teeschalen, füllen den Innenraum des Ofens. Sie stehen auf den Ofenbänken, oft übereinandergestapelt. Jedes Mal verbringe ich bis zu vier Tage damit, die Stücke im Ofen zu arrangieren. Langsam arbeite ich mich vor, als würde ich ganz hinten beginnen – am Schornstein – und mich allmählich bis zum Feuerraum vorarbeiten. Dabei entsteht ein Labyrinth, durch das sich die Flammen später ihren Weg bahnen werden.
Zuerst ordne ich die großen Skulpturen an, die wie Säulen den Raum gliedern. Anschließend fülle ich die Zwischenräume mit kleineren Stücken. Hier hat noch nichts eine Vorderseite, eine Oberseite oder eine Unterseite; hier nimmt alles erst Gestalt an. Die Objekte fügen sich zu einer einzigen, durchbrochenen Komposition zusammen, einem Geflecht aus Formen.
Ich genieße diesen Moment des Auswählens und Zusammenfügens, des Anordnens und der Entscheidung darüber, wie die einzelnen Stücke im Ofen stehen sollen. Es ist bereits ein Dialog mit dem Feuer, als würde ich ihm die erste Frage stellen: „Welchen Weg wirst du nehmen?“
Eng ist es hier. Oft stehen die Gefäße so dicht nebeneinander, dass zwischen ihnen gerade einmal Platz für die Breite eines Wadding-Stücks bleibt. Das ist gut so – denn dadurch werden die Flammen jedes einzelne Stück umspielen.
Ja, genau jetzt, während des Brandes, wenn das Feuer in das Innere des Ofens eindringt, zwischen den Stücken hindurchströmt und sie umzüngelt, entstehen die Blushes.”
Carolin Wachters zu Gefäß und Holzbrand
“Ich arbeite ja schon über 20 Jahre mit dem Zylinder als Gefäßform, da er für mich wie eine Projektionsfläche ist. Die horizontale und vertikale Linie verorten das Gefäß und den Betrachter im Raum. Ich kann damit Beziehungen zum Umraum und dem Betrachter herstellen. Damit geht es für mich nicht so sehr um das einzelne Gefäß, sondern um die Beziehung der Dinge untereinander.
Der Prozess des Drehens ist für mich wie eine Raumzeichnung. Die Wiederholung des Zylinders ist wie bei einer Bleistiftzeichnung immer etwas anders. Diese feinen Unterschiede machen Zeit und Lebendigkeit sichtbar.
Der Brand im Holzofen verbindet das Material Porzellan mit der Natur. Porzellan ist ja im Gegensatz zum Ton kein natürlich vorkommendes Material, sondern eine Mischung aus natürlich vorkommenden Rohstoffen. Damit ist es für mich ein Kulturmaterial, vom Menschen gemacht. Mit der Beziehung Natur – Kultur setze ich mich schon lange auseinander. Der Holzofen verbindet das Porzellan wieder mit der Natur (den Elementen). Die Zeichnung, die auf den Gefäßen entsteht, macht eine Geschichte sichtbar, das Gefäß hat eine grundsätzliche Wandlung im Brand erlebt. Das Feuer übernimmt die Gestaltung, ich arbeite mit der Natur zusammen, um diese Gefäße herzustellen.
In der Ausstellung möchte ich Gefäße von weiß zu starken Flammenspuren zeigen, von klein zu groß, also Gegensätze in der eigenen Arbeit, aber in Kommunikation mit Tomazs Arbeiten. Ich bin gespannt!”
Carolin Wachter und Tomasz Niedziółka
Carolin Wachter
Feines Material. Klare Formen. Stille Präsenz